Es war ein langer Weg, den die Gemeinden im Pastoralverbund zurückgelegt haben und als Frucht aus vielen Veranstaltungen und Diskussionen haben sie eine Pastoralvereinbarung entwickelt. Am Pfingstsonntag war es dann endlich soweit: Im Anschluss an die Prozession wurde in der Kirche St. Sebastian zu Walpersdorf die  Pastoralvereinbarung unterschrieben.

Die vier Zukunftsthemen der Pastoralvereinbarung bestimmten auch die Stationen der Prozession:

Aus der Taufberufung leben – Katechese, Gottesdienst und Sakramente

station 1

Berufung zum Christsein
Christen deuten ihr Leben in Bezug auf Gott. Sie anerkennen, dass sie Geschöpfe Gottes sind und mit Gott in Beziehung stehen. Sie wollen bewusst in dieser Beziehung leben. Der Glaube hilft ihnen, ihre Lebensgeschichte unter dem Aspekt des Bundes mit Gott zu erschließen.
Das Bewusstsein ein Berufener, bzw. eine Berufene zu sein, meint zunächst und grundsätzlich den Sinn des eigenen Lebens in der Beziehung zu Gott zu finden. Dies gelingt dem Menschen nicht für sich allein, sondern im Miteinander  mit anderen. Deshalb ist der Christ Teil einer Gemeinschaft von Berufenen, die damit die Kirche ist. Weil der Mensch prinzipiell ein soziales Wesen und deshalb auf Gemeinschaft hingeordnet ist, ist auch der gläubige Mensch nicht auf sich allein gestellt, sondern in ein Netzwerk von Beziehungen berufen. Nur in der Gemeinschaft mit anderen versteht er seine eigene Identität.
Durch die Taufe hat jeder Christ Teil an der Berufung und Sendung der ganzen Kirche. Doch wozu ist Kirche berufen? Wozu ist sie gesandt?
Die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen dient keinem Selbstzweck, sondern der Welt, indem sie das Evangelium Jesu Christi verkündet. Sie ist dazu berufen und gesandt, den Menschen das Heil Gottes in Wort und Tat anzubieten, sie versteht sich als Zeichen und Werkzeug.
Das Zeugnis des Glaubens – mit und ohne Worte – entspricht der Teilhabe an der kirchlichen Berufung und Sendung. Als Berufene sind wir Kirche.


 Ehrenamt – Engagement aus Berufung

station 2

Ehrenamtliches Engagement bietet Christen und Christinnen  einen Weg, der eigenen Berufung nachzuspüren, sie zu entdecken und ihr Ausdruck zu verleihen. Im Tun, in der Übernahme einer bestimmten Aufgabe, im kurzfristigen Engagement in Projekten und Initiativen und auch im punktuellen Mittun hat der Mensch einen Ansatzpunkt, das eigene Wirken zu erleben und zu reflektieren. Dabei gestalten Ehrenamtliche an unterschiedlichen Pastoralen Orten mit ihren je eigenen Charismen und Talenten kirchliches Leben, wirken dadurch in die Gesellschaft hinein und tragen Mitsorge für ein Weiterleben des Glaubens.
Ausgelöst durch die Umstrukturierung der pastoralen Landschaft einerseits, aber entscheidender verursacht durch gesellschaftliche Entwicklungslinien in allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens muss sich auch die Sakramentenpastoral den neuen Herausforderungen stellen. Zahlreiche Laien engagieren sich im Bereich der Sakramentenpastoral und der Katechese für Erwachsene und Kinder und tragen  so zur Glaubensverkündung bei.
Das Glaubenszeugnis gegenüber der nachwachsenden Generation und der Katechese mit Kindern und Jugendlichen brauchen erwachsene  Glaubenszeugen. Wer den Glauben der Erwachsenen fördert, fördert auch die Glaubensweitergabe an die jüngere Generation.
Kardinal Newman sagt: „Ich bin berufen, etwas zu tun oder zu sein, wofür kein anderer berufen ist. Ich habe einen Platz in Gottes Plan auf Gottes Erde, den kein anderer hat. Ob ich reich bin oder arm, verachtet oder geehrt bei den Menschen, Gott kennt mich und ruft mich bei meinem Namen."


Caritas und Weltverantwortung – Diakonisches Handeln

station 3

Wenn wir von „Caritas und Weltverantwortung“ sprechen, steht das christliche Gebot der Nächstenliebe im Zentrum. Dazu gehören insbesondere die Wahrnehmung der Menschen in Situationen von Krankheit und Armut, von Einsamkeit und Gebrechlichkeit, von Benachteiligung und Ungerechtigkeit, von Gewalt und Krieg, von Schutz und Hilfsbedürftigkeit. Neben der Wahrnehmung geht es immer auch um Hilfe in konkreter Not. Der politische Einsatz für gerechte Strukturen und Verhältnisse soll die Not mindern, das Leid verhindern und eine selbstbestimmte Lebensführung im Sinne menschlicher Personalität für alle  fördern.
„Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern, dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat." (1Joh 4,10) So beschreibt der erste Johannesbrief die Zuwendung Gottes zu den Menschen.
Diese vorausgehende Liebe Gottes lädt den Menschen ein, in vielfältiger Weise zu antworten: als liebende Zuwendung zu Gott und zu anderen Menschen, egal ob sie nahe- oder fernstehen. Die Liebe Gottes zum Menschen verleiht den Menschen Hoffnung und Würde, begründet aber auch einen unlösbaren Zusammenhang von Nächstenliebe und Gottesliebe. Wenn Gott sich aus freier Entscheidung dem Menschen zuwendet, dann muss als Konsequenz die Gemeinschaft derer, die sich von Gott geliebt wissen, solidarisch sein und handeln. Helfendes Handeln ist somit kein Akt der Gnade, sondern Ausdruck der Gerechtigkeit und der sie überbietenden Barmherzigkeit als dankbare Antwort auf Gottes zuvorkommendes Liebeshandeln an jedem Menschen.


Missionarisch Kirche sein – Pastorale Orte und Gelegenheiten

station 4

Außerhalb der Kirchengebäude gibt es in unseren  Gemeinden viele Orte, Menschen mit dem Glauben bekannt zu machen, den Glauben zu finden und den Glauben zu vertiefen.
Die Vielgestaltigkeit des Pastoralen Raumes entsteht dann, wenn die Lebensthemen der Menschen, die dort leben, der Pastoral  Konzept und Gestalt geben. Entwickelt wird dieser Pastorale Raum also nicht von den Pfarreien oder Einrichtungen und ihren gewohnten Abläufen, sondern von Menschen und ihren Glaubens– und Lebensthemen her.
Voraussetzung dafür sind das Engagement der pastoral Handelnden für die Lebens– und Glaubensthemen der Menschen sowie diakonisches, evangelisierendes und zeugnisgebendes Handeln. Insofern wird der Pastorale Raum ein Lebens– und Glaubensraum für alle Menschen sein, die in ihm glauben und leben. Oder anders formuliert: Im Pastoralen Raum realisiert sich die Kirche als „Sakrament des Heils für die Welt“. Die Sendung der Kirche wird demnach zum wichtigsten Kriterium pastoralen Handelns vor Ort.
Herausragende Bedeutung  für das oben beschriebene pastorale Handeln haben die Orte wo Gottesdienste stattfinden, also Orte des Lobes und der Anbetung Gottes, Orte des Schweigens, Orte, wo Sakramente gespendet werden, Orte der Sammlung, Orte für Träume und Sehnsüchte der Menschen.
Darüber hinaus wird kirchliches Handeln im Pastoralen Raum sichtbar durch jene Christinnen und Christen, die in verschiedenen Einrichtungen tätig sind: Schulen und Kindergärten, Jugendarbeit und Verbänden, in Chören und Musikgruppen, im Dienst in der Kirche  als Verwaltungsangestellte  Küster und Organisten, Ärzte und Pfleger, die Mitarbeiter der Büchereien, Menschen, die eine besondere Rolle im Dienst an Gott und den Menschen haben und Menschen inspirieren, begleiten, beraten und unterstützen.


Unterzeichnet wurde die Pastoralvereinbarung vom Vorstand des Gesamtpfarrgemeinderates, von den geschäftsführenden Vorsitzenden der Kirchenvorstände, von Pfr. Ludwig Reffelmann als stellv. Dechanten des Dekanats Siegen und von Dechant Werner Wegener als leitender Pfarrer des Pastoralverbundes Netpherland.
Weitere Bilder von der Prozession und der Unterzeichnung finden Sie in der Bildergalerie.

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